Wie Asien die ESG due diligence in der Praxis stärkt
In den letzten Jahren hat die Nachhaltigkeit von Unternehmen in Teilen Europas und Amerikas an Schwung verloren und wurde sogar zurückgedrängt. Im Gegensatz dazu machen mehrere asiatische Länder spürbare Fortschritte. China, Japan und Thailand halten nicht nur den Kurs, sie gehen auch voran. Diese Länder entwickeln aktiv Gesetze und Richtlinien, um die Nachhaltigkeitsverpflichtungen von Unternehmen und die Anforderungen an die ESG due diligence zu stärken.
Dies ist kein vorübergehender Trend. Was wir erleben, ist ein Wandel: ein langfristiges und beständiges Engagement. Nachhaltigkeit erfordert genau diese Art von nachhaltiger Anstrengung. Der Rest der Welt muss das zur Kenntnis nehmen.
China: der Draufgänger
Chinas Ansatz für unternehmerische Nachhaltigkeit nimmt klare Konturen an, insbesondere an der Umweltfront. Im Rahmen seiner umfassenderen Klimaziele strebt China an, den Höhepunkt der Kohlendioxidemissionen vor 2030 zu erreichen und bis 2060 kohlenstoffneutral zu werden. Um diese Ambitionen zu unterstützen, hat das Land konkrete Schritte unternommen, um ein einheitliches und strukturiertes System für die ESG due diligence von Unternehmen auf nationaler Ebene einzuführen. Dieses System wurde mit Blick auf die internationale Ausrichtung entwickelt.
Im Jahr 2024 kündigte China den Chinese Corporate Sustainability Disclosure Standard (CSDS) an und veröffentlichte anschließend im Dezember seine Basisstandards. Damit wird ein einheitlicher Rahmen geschaffen, der es Unternehmen ermöglicht, über ihre Nachhaltigkeitsleistung zu berichten und sich dabei an globalen Normen wie dem ISSB und der EU-Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) zu orientieren. Im April 2025 wurde auch der Entwurf der Leitlinien für CSDS Nr. 1 – Klima (Trial) veröffentlicht, der verpflichtende Offenlegungselemente wie Scope 1, 2 und 3 Missionen, Übergangspläne, interne Kohlenstoffpreise und Klimaszenarioanalysen einführt.
Im selben Monat wurde der Entwurf des Umweltgesetzes von der Nationalen Volksvertretung veröffentlicht. Er fasst über 30 bestehende Gesetze in einem einheitlichen Rahmen mit 1.188 Artikeln in fünf Kapiteln zusammen und behandelt Themen wie die Vermeidung von Umweltverschmutzung, den Schutz der Umwelt und die grüne Entwicklung. Speziell für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsdaten führt der Kodex eine verpflichtende Offenlegung von Treibhausgasemissionen für die wichtigsten Emittenten ein und verpflichtet die größten Verschmutzer zur rechtzeitigen Veröffentlichung von Emissionsdaten. Außerdem legt er verbindliche Emissionsobergrenzen fest und verschärft die Anforderungen an Umweltverträglichkeitsprüfungen und Genehmigungen für die Einleitung von Schadstoffen.
Angesichts der Rolle Chinas als globales Produktionszentrum können diese Entwicklungen einen übergroßen positiven Einfluss auf die Arbeits- und Umweltbedingungen weltweit haben. In einer Zeit, in der die EU und die USA mit Widerständen in Bezug auf ESG und Nachhaltigkeit zu kämpfen haben, sendet China eine ganz andere Botschaft: Ökologische Nachhaltigkeit ist für unsere Zukunft nicht verhandelbar.
Japan: umsichtig und methodisch
Als fünftgrößte Volkswirtschaft verfolgt Japan traditionell einen vorsichtigen Ansatz bei der Due Diligence. Seit Jahren verlassen sich viele japanische Unternehmen auf Selbstbewertungsinstrumente wie maßgeschneiderte Checklisten und Fragebögen. Dies führt oft zu doppelten Anstrengungen für dieselben Geschäftspartner und zu einem Mangel an Transparenz.
Die Landschaft ändert sich jetzt. Angesichts des weltweiten Trends zu gemeinsamen Standards mit neuen internationalen Vorschriften und dem Druck des Marktes legt Japan allmählich den Grundstein für ein kohärenteres und international abgestimmtes System der Sorgfaltspflicht. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) hat die Leitlinien zur Achtung der Menschenrechte in verantwortungsvollen Lieferketten herausgegeben, um Unternehmen praktische Schritte bei der Umsetzung der Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte an die Hand zu geben, damit sie die Risiken von Arbeitsmissbrauch, Zwangsarbeit und anderen Verstößen erkennen und mindern können. Obwohl sie rechtlich nicht bindend sind, stellen sie eine Verlagerung hin zu einem Schwerpunkt und einem gemeinsamen Verständnis von verantwortungsvollem Geschäftsverhalten dar.
Japan entwickelt auch branchenspezifische Rahmenwerke für die Sorgfaltspflicht. Ein herausragendes Beispiel ist der japanische Audit-Standard für die Textilindustrie (JASTI), eine Initiative unter der Leitung des METI in Zusammenarbeit mit der Textilindustrie. JASTI wurde im April 2025 ins Leben gerufen und setzt klare Maßstäbe für die japanische Textil- und Bekleidungsindustrie, um sicherzustellen, dass ihre Fabriken die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und die nationalen Vorschriften einhalten. amfori war an dem Konsultationsprozess beteiligt, um die Anerkennung internationaler Standards zu prüfen.
Im Umweltbereich hat Japan die TCFD-konforme Offenlegung für am Prime Market notierte Unternehmen ab 2022 zur Pflicht gemacht. Mit der Einrichtung des Sustainable Standards Board of Japan und der anschließenden Entwicklung von Sustainability Disclosure Standards hat amfori aktiv dazu beigetragen, Japans Absicht zu verdeutlichen, sich eng an internationale Nachhaltigkeitsrahmen anzulehnen.
Japan hat es vielleicht nicht eilig, aber es baut ein vielschichtiges und pragmatisches System durch einen schrittweisen Ansatz auf. Japan ist auf dem Weg, einen aktiven Beitrag zur sich entwickelnden Due-Diligence-Landschaft zu leisten.
Thailand: Der aufstrebende Akteur
Thailand wird zum Vorreiter in Südostasien, wenn es darum geht, die Sorgfaltspflicht und den Rahmen für Nachhaltigkeit zu stärken.
Thailand ebnet seinen Weg mit einem vorgeschlagenen Gesetz zur verpflichtenden Sorgfaltspflicht in Bezug auf Menschenrechte und Umwelt (mHREDD). Der Entwurf des mHREDD-Gesetzes soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden. Es wird erwartet, dass Unternehmen, die in Thailand tätig sind, verpflichtet werden, in ihren Lieferketten eine Sorgfaltsprüfung in Bezug auf Menschenrechte und Umwelt durchzuführen. Das bedeutet, dass die Unternehmen aktiv Probleme wie Zwangsarbeit, unsichere Arbeitsbedingungen oder Umweltschäden in Verbindung mit ihren Betrieben oder Zulieferern erkennen, verhindern und angehen müssen.
Parallel dazu ist auch eine Klimagesetzgebung im Gange. Der Entwurf des Gesetzes zum Klimawandel, der voraussichtlich 2025 fertiggestellt und 2026 in Kraft treten wird, führt ein vielschichtiges Rahmenwerk ein, das darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und sich an die internationalen Klimaverpflichtungen anzupassen. Zu den wichtigsten Komponenten gehören die Einführung eines obligatorischen Emissionshandelssystems, einer Kohlenstoffsteuer und eines Mechanismus zur Anpassung der Kohlenstoffgrenze (CBAM). Das Gesetz schreibt außerdem die Berichterstattung von Unternehmen über Treibhausgasemissionen vor und schlägt die Einrichtung eines Klimawandelfonds vor, um klimarelevante Projekte und Innovationen zu unterstützen.
Bei diesem Schritt geht es nicht nur um Compliance. Er stellt auch keine Belastung für Thailand dar. Er unterstützt die strategischen Ziele des Landes – die Attraktivität seiner Exporte zu erhalten, sein Image als Drehscheibe für nachhaltigen Handel zu verbessern und seine Bewerbungen um die OECD-Mitgliedschaft zu unterstützen.
Ein globales Gebot der Sorgfaltspflicht für ein nachhaltiges supply chain Management
Trotz regionaler Unterschiede im Tempo bleibt eine Tatsache klar: Sorgfaltspflicht im Supply Chain Management ist ein globales Gebot. Die supply chain ist nach wie vor weltweit eng miteinander verbunden. Wenn ein Glied der Kette die Menschenrechte oder die Umwelt nicht einhält, wirken sich diese Risiken weltweit aus – von rechtlichen Verpflichtungen bis hin zu Rufschädigung und Unterbrechungen der supply chain. Eine solide Sorgfaltspflicht ist nicht nur ein regulatorisches Kästchen, sondern eine entscheidende Geschäftspraxis für nachhaltigen Handel.
Die oben erwähnten Initiativen in Asien zeigen, dass Fortschritte möglich sind und sich beschleunigen. Vorausschauende Unternehmen übernehmen bereits globale Best Practices für die Sorgfaltspflicht, wie z.B. die Durchführung von Risikobewertungen, die Einbindung von Lieferanten in Verbesserungen und eine transparente Berichterstattung. Dieser proaktive Ansatz bereitet sie nicht nur auf die überall aufkommenden Vorschriften vor, sondern hilft auch, widerstandsfähigere und ethischere Lieferketten aufzubauen.
Eine wichtige Erkenntnis dieses Wandels ist das Bemühen um eine Angleichung an internationale Standards. Auf diese Weise wollen die asiatischen Länder gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen, Reibungsverluste im Handel verringern und den Zugang zu den globalen Märkten verbessern. Asien reagiert nicht mehr nur auf die Sorgfaltspflichtanforderungen der Industrieländer, sondern gestaltet sie aktiv durch nationale Politik, Berichtsrahmen und regulatorische Konsultationen. Die Botschaft ist klar: Sorgfaltspflicht ist ein Eckpfeiler für nachhaltigen Handel und verantwortungsvolles Geschäftsgebaren.
Dieser Trend wird nie aufhören, und es ist an der Zeit, sich auf das vorzubereiten, was schnell zur Geschäftsnorm wird: Sorgfaltspflicht in Aktion.