Die Audit-Müdigkeit bekämpfen: Ein strategischer Imperativ für nachhaltige supply chains
In den letzten Jahren hat sich die Auditmüdigkeit zu einer wachsenden Herausforderung in den globalen supply chains entwickelt. Sie betrifft Lieferanten, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese Unternehmen sehen sich mit wiederholten Audits von mehreren Käufern konfrontiert, um den steigenden Anforderungen an Transparenz und Einhaltung von Umwelt- und Sozialkriterien gerecht zu werden. Die Belastung durch sich wiederholende und überschneidende Audits ist zu einem erheblichen Hindernis für Effizienz, Engagement und Fortschritt geworden. Wir bei amfori haben dieses Problem erkannt. Wir setzen uns dafür ein, durch Zusammenarbeit, Innovation und strategische Ausrichtung sinnvolle Veränderungen herbeizuführen.
Was ist Audit-Müdigkeit?
Auditmüdigkeit entsteht, wenn Lieferanten von verschiedenen Einkäufern mehrfach auditiert werden, wobei oft ähnliche Kriterien berücksichtigt werden. Diese Duplizierung verschlingt nicht nur Ressourcen, sondern führt auch zu Verwirrung, uneinheitlichen Ergebnissen und einem Rückzug aus dem Verbesserungsprozess. Die Auswirkungen auf KMU sind besonders gravierend. Ihnen fehlen die Kapazitäten, um die sich schnell entwickelnde Rechtslandschaft zu verfolgen. Außerdem haben sie oft mit wirtschaftlichen Störungen zu kämpfen.
Das Problem wird noch größer, wenn die Einhaltung rechtlich bindend ist (z.B. EU Digital Product Passport, Corporate Sustainability Due Diligence Directive). Der Druck auf die Lieferanten wird immer größer, da sie die Einhaltung der Vorschriften nachweisen müssen. In diesem Zusammenhang geht es bei der Verringerung der Audit-Müdigkeit nicht nur um Kosteneinsparungen, sondern darum, dass sich die Lieferanten auf Abhilfemaßnahmen, Risikominderung und langfristige Nachhaltigkeit konzentrieren können.
Die strategische Antwort von amfori auf die Audit-Müdigkeit
Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat amfori eine umfassende Strategie entwickelt, die Lieferanten und Einkäufern hilft, zusammenzuarbeiten und sich zu einer verantwortungsvollen Beschaffung zu verpflichten. Dies beinhaltet:
Konzept des Responsible Sourcing Partner (RSP)
Bei diesem Konzept kann nur ein amfori Member (der sogenannte „Responsible Sourcing Partner“) ein Audit für einen Supplier anfordern. Der Audit-Bericht wird dann von allen angeschlossenen Membern gemeinsam genutzt. Dadurch wird Doppelarbeit vermieden und die Geschäftskontinuität gefördert. Ein Lieferant, der mit 15 Mitgliedern verbunden ist, kann sich beispielsweise nur einem Audit pro Jahr unterziehen, wobei alle Mitglieder von den Auditergebnissen profitieren. Bei amfori werden im Durchschnitt 40 000 Audits pro Jahr durchgeführt. Das bedeutet, dass wir schätzungsweise 120.000 Auditanfragen pro Jahr „einsparen“.
Lesen Sie mehr über das RSP-Konzept
Prüfungszyklus und Risikobewertungen
Lieferanten, die ein Audit-Rating von A oder B erhalten, profitieren von einem zweijährigen Audit-Zyklus. Dadurch verringert sich die Häufigkeit der Audits, ohne dass der Überblick verloren geht. amfori bietet auch eine Umweltrisikobewertung an. amfori arbeitet an einer sozialen Risikobewertung. Beide Instrumente sollen den Mitgliedern dabei helfen, Prioritäten zu setzen und zu entscheiden, wann ein Audit erforderlich ist, um sicherzustellen, dass die Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.
Lesen Sie mehr über Umweltrisikobewertung
Selbst angeforderte Audits
Die Befähigung der Lieferanten, Audits zu initiieren, fördert die Eigenverantwortung und das proaktive Engagement. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Audits zeitnah und relevant sind, und fördert gleichzeitig die kontinuierliche Verbesserung.
Lesen Sie mehr über die selbst angeforderten Audits für Lieferanten
Das Audit Assurance Programm (AAP)
Der AAP ist das übergreifende Rahmenwerk von amfori zur Harmonisierung und Verbesserung von Audit-Prozessen in allen sozialen und ökologischen Dimensionen.
Es stellt sicher, dass die Prüfungen glaubwürdig, konsistent und transparent sind. Die wichtigsten Funktionen sind:
- Integration von amfori BSCI und BEPI im Rahmen eines Audit Assurance Frameworks.
- Einsatz von APSCA-zertifizierten Auditoren für hochwertige Bewertungen.
- Zentralisierte ESG-Daten über die amfori Sustainability Platform.
- Kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Interessengruppen, um die Prüfungsergebnisse zu kalibrieren und zu verbessern.
Konvergenz und Zusammenarbeit fördern
Audit-Müdigkeit ist symptomatisch für eine fragmentierte Landschaft von Nachhaltigkeitsstandards. Während des Webinars wies Joseph Wozniak, Direktor des Trade for Sustainable Development (T4SD) Programms am International Trade Centre (ITC), darauf hin, dass über 365 kartierte Initiativen existieren. Diese Zahl erhöht sich auf 900, wenn man Benchmarking- und Berichtsrahmen mit einbezieht. Das ITC arbeitet an der Konvergenz durch Benchmarking-Dienste. Diese Bemühungen zielen auf weniger Audits und bessere Ergebnisse ab.
Ein Aufruf zum Handeln, um die Prüfungsmüdigkeit zu verringern
Die Verringerung der Audit-Müdigkeit ist nicht nur eine technische Lösung, sondern eine strategische Notwendigkeit: Harmonisierung der Standards, Verringerung der Redundanz und Stärkung des Vertrauens in die Auditergebnisse. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit der ESG-Bemühungen, verbessert das Engagement der Lieferanten und stellt sicher, dass die Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie am wichtigsten sind. Wie Linda Kromjong, Präsidentin von amfori, während des Webinars betonte: „Audits sind ein wichtiges Instrument, aber die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Einkäufern ist der Schlüssel, um Fortschritte zu erzielen und Risiken zu reduzieren.“
Bei amfori arbeiten wir daran, unsere Praktiken weiterzuentwickeln, die gemeinsame Verantwortung zu fördern und belastbare, nachhaltige supply chains aufzubauen. Die Bekämpfung von Audit-Müdigkeit ist ein zentraler Bestandteil dieser Mission.