Das EU Omnibus I-Paket verstehen: Wo stehen wir?

Das EU Omnibus I-Paket verstehen: Wo stehen wir?

Update Juli 2025

Die globale Nachhaltigkeitslandschaft verändert sich rasant. Während sich das Rennen in Asien, insbesondere in Ländern wie China, Japan und Thailand, beschleunigt, hat sich das Tempo in der EU vorübergehend verlangsamt. Im Moment konzentrieren sich die EU-Institutionen auf die Vereinfachung der bestehenden Vorschriften und die Verringerung des Verwaltungsaufwands, insbesondere für KMU. Daher verfolgen Unternehmen weltweit aufmerksam die Fortschritte des EU Omnibus I-Pakets, der Gesetzesinitiative, die darauf abzielt, die Nachhaltigkeitsbestrebungen der EU zu bewahren und gleichzeitig die Umsetzung zu vereinfachen. Dieses Paket umfasst insbesondere wichtige Änderungen an zwei Eckpfeilern des EU-Nachhaltigkeitsrahmens: der Richtlinie über die Sorgfaltspflicht von Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit (CSDDD) und der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD).

Was beinhaltet das EU Omnibus I Paket?

Das EU Omnibus I Paket umfasst zwei Hauptkomponenten:

  • Inhaltliche Änderungen der CSDDD und der CSRD: Diese werden nun im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens unter Beteiligung des Europäischen Parlaments, des Rates und der Europäischen Kommission verhandelt.
  • Die “Stop-the-Clock”-Richtlinie: Diese bereits verabschiedete Richtlinie verzögert die Anwendung bestimmter CSRD- und CSDDD-Anforderungen. Die EU Member States müssen sie noch in nationales Recht umsetzen.

Das Gesetzgebungsverfahren schreitet voran:

  • Standpunkt des Rates vereinbart: Am 23. Juni 2025 einigten sich die EU Member States auf einen gemeinsamen Standpunkt.
  • Diskussionen im Parlament laufen: Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments (JURI) hat den Berichterstatter, MdEP Jörgen Warborn, ernannt. Er hat seinen Berichtsentwurf vorgelegt, und die Abgeordneten haben Ende Juni ihre entsprechenden Änderungsanträge eingereicht. Sie treten nun in die nächste Phase ein: Verhandlungen, um einen Kompromiss zu finden und den Standpunkt des Europäischen Parlaments fertigzustellen.

Eine Plenarabstimmung im Europäischen Parlament ist vorläufig für den 13. Oktober 2025 vorgesehen. Im Falle einer Verabschiedung werden Trilog-Verhandlungen zwischen den europäischen Institutionen folgen, wobei die endgültige Verabschiedung im ersten Quartal 2026 erwartet wird.

Noch in Arbeit

Die EU-Institutionen sind sich zwar über das Gesamtziel der Vereinfachung einig, aber sie sind sich nicht einig, wie dieses Ziel erreicht werden soll.

Die wichtigsten Diskussionspunkte:

  • Umfang der Anwendung: Bislang gehen die Diskussionen im Rat und im Parlament in Richtung höherer Schwellenwerte. Dies könnte dazu führen, dass weniger Unternehmen erfasst werden.
  • Anforderungen an die Sorgfaltspflicht: Alle drei Institutionen scheinen einen risikobasierten Ansatz zu unterstützen. Außerdem sind sie sich einig, mit den Tier-1-Lieferanten zu beginnen. Außerdem scheinen sowohl der Rat als auch das Europäische Parlament bereit zu sein, ein Scoping durchzuführen, um nachteilige Auswirkungen zu ermitteln.
  • Pläne für den Klimawandel: Darüber wird immer noch diskutiert. Das Niveau der Ambitionen variiert zwischen den europäischen Institutionen.

Trotz dieser Unterschiede bleiben die Kernprinzipien des EU-Rahmens für Sustainability, CSDDD und CSRD, solide. Wichtig ist, dass der Due-Diligence-Prozess und die doppelte Wesentlichkeit voraussichtlich nicht in Frage gestellt werden.

EFRAG und ESRS Vereinfachung

Parallel dazu arbeitet die EFRAG an der Vereinfachung der European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Am 20. Juni veröffentlichte sie einen Fortschrittsbericht, in dem sie sechs wichtige Vereinfachungsmaßnahmen vorschlägt, die darauf abzielen, die obligatorischen Datenpunkte um mehr als 50% zu reduzieren. Eine öffentliche Konsultation zu den überarbeiteten Standards wird für diesen Sommer erwartet.

Was hat amfori gemacht?

Wir bei amfori haben uns aktiv mit den politischen Entscheidungsträgern der EU auseinandergesetzt, um sicherzustellen, dass die Stimme unserer Mitglieder während dieses Gesetzgebungsverfahrens gehört wird. Unsere jüngsten Aktionen umfassen:

  • Organisierte mehrere Treffen mit wichtigen EU-Entscheidungsträgern
  • Beitrag zu gezielten Konsultationen, einschließlich der von den Fraktionen im Europäischen Parlament (S&D und Renew) geführten.

Neben der Advocacy sind wir auch bestrebt, unsere Mitglieder zu informieren und vorzubereiten. Mitte April veranstalteten wir ein Webinar nur für Mitglieder, das sich mit dem EU Omnibus I-Paket befasste. Die Sitzung half den Teilnehmern, den Umfang und Zweck der Gesetzgebung und ihre möglichen Auswirkungen auf bestehende Rahmenwerke wie die CSDDD und CSRD zu verstehen, und bot Raum für direkte Fragen und Diskussionen.

Wir glauben an einen ausgewogenen Ansatz: die Führungsrolle der EU im Bereich der Nachhaltigkeit aufrechtzuerhalten und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Einhaltung der Vorschriften für Unternehmen jeder Größe pragmatisch und verhältnismäßig bleibt. In der zweiten Jahreshälfte werden wir die Entwicklungen zu diesem wichtigen Thema weiterhin genau verfolgen.

Wenn Sie Fragen haben oder weitere Informationen über unsere Advocacy-Bemühungen erhalten möchten, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.


Newsletter
Get amfori's latest updates delivered to your inbox
Subscribe now